Neue Trends auf dem Dach


Die grosse Zahl neuer Mehrfamilienhäuser hat die Verbreitung von Flachdächer stark stimuliert. Und auch auf geneigten Dächer werden vermehrt Materialien für Flachdächer eingesetzt.

Das Flachdach ist der absolute Marktleader in der Schweiz: 78 Prozent der Ausschreibungen für Dächer auf der Internetplattform olmero.ch in den letzten vier Jahren entfielen auf Flachdachlösungen. Ein Trend, der im aktuellen «Immo-Monitoring» des Beratungsunternehmens Wüest & Partner bestätigt wird. Die Zahlen der Zürcher Firma zeigen zudem, dass vor allem im Wohnungsbau die Entwicklung bei den Neubauten klar in Richtung Flachdach geht: Wurden 2002 nur gerade 35 Prozent der Wohnhausdächer bei Neubauten in flacher Bauweise erstellt, sind es heute über 50 Prozent. Gemäss Fabio Guerra von Wüest und Partner (siehe Interview) ist diese Entwicklung einerseits darauf zurück zu führen, dass sich aufgrund der besseren Qualität der Flachdachkonstruktionen immer mehr Bauherren dafür entscheiden, andererseits weil in den letzten Jahren vor allem grosse Siedlungen mit Mehrfamilienhäusern erstellt wurden. Deren Investoren bauen in der Regel, und wenn nichts anderes vorgeschrieben ist, Flachdächer – nicht zuletzt weil sich so Dachwohnungen mit grossen Terrassen realisieren lassen. Diese sind auf dem Wohnungsmarkt gefragt und verkaufen oder vermieten sich besonders gut. «Begehbare Flachdächer haben ebenso wie begrünte Dächer und Nacktdächer in den letzten Jahren gegenüber den klassischen Kiesdächern an Bedeutung gewonnen», beobachtet denn auch Renato Burgermeister, Mitglied der Geschäftsleitung von Soprema. Der Trend zu mehr begrünten Dächern hat zwei Gründe: Einerseits entscheiden sich immer mehr Bauherren aus ökologischen Gründen dafür, andererseits sind solche Dächer – beispielsweise im Rahmen von Gestaltungsplänen – oft sogar von Seiten der Baubehörden vorgeschrieben.

Das Dach als fünfte Fassade
Eine noch neue Entwicklung ist gemäss Burgermeister der Einsatz von Nacktdachkonstruktionen in der Schweiz: «In den Nachbarländern sind solche Dächer aufgrund der tieferen Kosten schon lange gang und gäbe.» Die vermehrte Nutzung dieses Dachtyps hierzulande, die sich längst nicht mehr nur auf Industrie- und Gewerbebauten beschränkt, hat aber nicht nur finanzielle Gründe. Nacktdächer kommen auch dort zum Einsatz, wo aufgrund der Statik leichte Konstruktionen gefragt sind oder aus ästhetischen Gründen. Denn für immer mehr Architekten wird das Dach zur fünften Fassade und sind aufgefaltete oder unterschiedlich geneigte Dachflächen ein wichtiges Element des Entwurfs. «Um dies zu unterstreichen werden Bedachungsmaterialien eingesetzt, welche die Optik der Fassade im Dachbereich weiter führen», sagt Burgermeister. Ein aktuelles Beispiel ist der mit dem Architekturpreis ATU PRIX ausgezeichnete Neubau «Grimseltor» in Innertkirchen im Berner Oberland. Bei diesem ist der Farbton des Nacktdaches exakt auf den Weisszementbeton der Fassaden abgestimmt. Der Bau ist zugleich auch ein Beispiel dafür, dass sich der Einsatz von Nacktdächern längst nicht mehr auf ebene Flächen beschränkt. Die hochwertigen Elastomerbitumenbahnen sind immer häufiger auch auf geneigten Dächern oder Tonnendächern zu finden. «Ein Flachdach ist schon lange kein flaches Dach mehr....», bringt es Renato Burgermeister von Soprema auf den Punkt.