Eigenschaften und Prüfungen von Bitumenbahnen für den Einsatz im Flachdach nach der SIA 271

Eigenschaften und Prüfungen von Bitumenbahnen für den Einsatz im Flachdach nach der SIA 271


Seit dem 1. September 2007 ist die SIA 271 «Abdichtungen im Hochbau» gültig. Sie ist damit die erste SIA-Norm für Abdichtungen, mit welcher die Philosophie der Europäischen Normen umgesetzt worden ist. Während früher die Anforderungen an die Bitumenbahnen (Bitumen-Dichtungsbahnen und Polymerbitumen-Dichtungsbahnen) in der Norm SIA 281 aufgeführt waren, sind sie es heute in der Norm SIA 271. Damit wurde bezweckt, dass die Anforderungen an die Abdichtungsmaterialien der Anwendung entsprechend gestellt sind.

Anforderungen
In der SIA 271 wurden die Anforderungen an die Eigenschaften teilweise generell und teilweise anwendungsbezogen festgelegt. Die früher in der SIA 281:1992 angewendete Praxis der materialspezifischen Anforderungen wurde völlig verlassen.
Die Tabelle 6 im Anhang der SIA 271 zeigt die Anforderungen an Bitumenbahnen. Die Struktur der Anwendungsspalten ist dabei weitgehend von der SN EN 13707 (Tabelle A.1) bestimmt worden. An etliche Eigenschaften sind darin die Anforderungen unabhängig von der Anwendung gestellt (Anforderungen in Spalte „allgemein“). Dies bedeutet, dass die Anforderungen unabhängig von der Anwendung der Bitumenbahn im Dachaufbau erfüllt sein müssen. An die anderen Eigenschaften sind dagegen die Anforderungen anwendungsspezifisch gestellt, wie z.B. der Widerstand gegen Durchwurzelung oder die Wärmestandfestigkeit als
Unterbahn.

Prüfungen
Im Folgenden werden einige der Prüfverfahren für die in der Norm SIA 271 verlangten Eigenschaften kurz beschrieben und mit den bisher angewendeten Prüfverfahren nach der Norm SIA 281:1992 verglichen.

Sichtbare Mängel
Die frühere Bezeichnung “Aussehen und Beschaffenheit“  wird in der SN EN 1850-1 mit „Sichtbare Mängel“ bezeichnet. Die EN definiert dabei als sichtbare Mangel:
Blase: Eine Erhöhung der Oberflache, unterschiedlicher Form und Abmessungen,
über einem Hohlraum. Riss: Ein Spalt, der die Aussenflache des
Materials oder dessen gesamte Dicke durchdringt,
wodurch die Bitumenbahn zwischen den Spaltwänden vollständig getrennt wird. Loch: Eine Öffnung in der Bitumenbahn, durch die Wasser durchdringen konnte. Kahle Stelle: Fehlstelle in der Mineralbestreuung grosser als 100 mm2.

Lange, Breite, Geradheit
Die Bestimmung der Eigenschaften Länge, Breite und Geradheit erfolgt nach der Norm SN EN 1848-1, das Prüfverfahren ist weitgehend identisch mit den Prüfverfahren in der SIA 281:1992. Der Hersteller deklariert für die Lange und die Breite einen minimalen Grenzwert, welcher von der Bitumenbahn eingehalten sein muss. Die Abweichung von der Geradheit darf 20 mm pro 10 m Bahnlange
nicht übersteigen.

Dicke und flächenbezogene Masse
Die Bestimmung der Eigenschaften Dicke und flächenbezogene Masse erfolgt nach der Norm SN EN 1849-1. Die Dicke wird dabei wie früher in der SIA 281:1992, die flächenbezogene Masse wird neu nicht mehr an der ganzen Bahn sondern an 3 Prüfkörpern bestimmt. Der Hersteller deklariert für die Lange, Breite und die flächenbezogene Masse einen minimalen Grenzwert, welcher von der Bitumenbahn eingehalten sein muss.

Wasserdichtheit
Die Wasserdichtheit ist aufgrund der SN EN 13707 neu wieder eine zu prüfende Eigenschaft. Das Prüfverfahren richtet sich nach der SN EN 1928, welche die Verfahren A und B beschreibt. Die Norm SIA 271 lasst beide Verfahren zu. Bei beiden Verfahren betragt der Prüfdruck 10 kPa (0,1 bar, 1 m Wassersaule), dieser Prüfdruck ist als sehr gering zu beurteilen. Es ist davon auszugehen, dass alle Bitumenbahnen diese Eigenschaft stets erfüllen werden.

Beanspruchung durch Feuer von aussen/Brandverhalten von Baustoffen
Die Eigenschaft „Beanspruchung durch Feuer von Aussen“  gibt Kenntnisse über das Verhalten von Systemaufbauten der Dachabdichtung, das „Brandverhalten von Baustoffen“  über das Brandverhalten der einzelnen Bitumenbahn. Das Brandverhalten von Baustoffen unterliegt in der Schweiz jedoch einem gesetzlichen Hintergrund; dieser übersteuert die Norm SIA 271. Die VKF Vereinigung kantonaler Feuerversicherer als das bestimmende Organ halt vorläufig noch an der bisher bestimmten Brandkennziffer fest, da die Vergleichbarkeit der Brandkennziffer mit dem Brandverhalten von Baustoffen noch nicht genügend bekannt ist.

Zug-Dehnungsverhalten
Die Bestimmung des Zug-Dehnungsverhalten erfolgt nach der Norm SN EN 12311-1, das Prüfverfahren ist weitgehend identisch mit dem Prüfverfahren der SIA 281:1992. Die Eigenschaft Zug-Dehnungsverhalten wird überwiegend durch die Tragereinlage
der Bitumenbahn bestimmt. Der Hersteller deklariert für die Höchstzugkraft und die Dehnung bei der  Höchstzugkraft einen minimalen Grenzwert, welcher von der Bitumenbahn eingehalten sein muss. Die SIA 271 legt anwendungsspezifisch Anforderungen fest. Planer und Anwender müssen Bitumenbahnen
auswählen, welche den Anforderungen genügen.

Weiterreisswiderstand
Die Bestimmung des Weiterreisswiderstands erfolgt nach der Norm SN EN 12310-1. Diese Eigenschaft prüft die Festigkeit von mechanisch befestigten Bitumenbahnen, sie war bisher in der Schweiz nicht verlangt. Dabei wird ein Nagel durch die Bitumenbahn gestossen und in der Ebene der Bitumenbahn ausgerissen. Die SIA 271 hat für mechanisch befestigte Bitumenbahnen den Anforderungswert von 200 N festgelegt.

Widerstand gegen Durchwurzelung
Die Bestimmung der Eigenschaft „Widerstand gegen Durchwurzelung“  erfolgt nach der Norm SN EN 13948, das Prüfverfahren basiert auf der sogenannten FLL-Prüfung. Dabei werden während 2 Jahren neben der Wurzelfestigkeit der Bitumenbahn auch deren Überlappungen und ausspringende Eckverbindungen geprüft. Das Prüfverfahren ist deutlich unterschiedlich von dem früher in der SIA 281:1992 angewendeten „Lupinentest“.

Kaltbiegeverhalten
Die Bestimmung des Kaltbiegeverhaltens erfolgt nach der Norm SN EN 1109. Das Prüfverfahren ist weitgehend identisch mit dem Prüfverfahren der SIA 281:1992, wobei heute jedoch auch die Oberseite der Bitumenbahn geprüft wird. Die Eigenschaft Kaltbiegeverhalten wird überwiegend durch die Gute der Deckmasse und die Lage der Tragereinlage bestimmt. Die SIA 271 hat für Bitumenbahnen
den Anforderungswert von . 10 ‹C festgelegt mit dem Zusatz von . 20 ‹C bei Anwendung über 1000 m u M. De facto kann also vom Anforderungswert
von . 20 ‹C ausgegangen werden.

Wärmestandfestigkeit
Die Bestimmung der Wärmestandfestigkeit erfolgt nach der Norm SN EN 1110. Das Prüfverfahren ist identisch mit dem Prüfverfahren der SIA 281:1992. Die Eigenschaft Wärmestandfestigkeit wird überwiegend durch die Güte der Deckmasse und der Dicke auf der Tragereinlage bestimmt. Die SIA 271 legt für Oberbahnen einen höheren Anforderungswert fest als für Unterbahnen.


Zusammenfassung
Mit der seit dem 1. September 2007 gültigen Norm SIA 271 „Abdichtungen im Hochbau“  wurde zum ersten Mal in einer SIA-Norm für Abdichtungen die Philosophie der Europäischen Normen umgesetzt. Wahrend früher für Bitumenbahnen (Bitumen-Dichtungsbahnen und Polymerbitumen-Dichtungsbahnen)
die Anforderungen in der Norm SIA 281 aufgeführt waren, sind sie für Abdichtungen im Hochbau, der Anwendung entsprechend in der Norm SIA 271 aufgeführt. Mit den Europäischen Normen mussten in der Schweiz neue und abgeänderte Eigenschaften
mit den entsprechenden Prüfverfahren eingeführt werden. Da der Erfahrungshintergrund für diese Eigenschaften teilwiese noch erarbeitet werden muss, ist anzunehmen, dass die Norm SIA 271 bezüglich Anforderungen an Bitumenbahnen in einem relativ kurzen Zeitabstand überarbeitet werden wird.